Erfahrungen einer Dessousverkäuferin

Formelle Kleidung mit bequemem Feeling, geht das?

 

Formelle und korrekte Kleidung sind Karrierebeschleuniger das weiß jeder.

 

Deshalb hängt der Schrank voller teurer Garderobe. Doch Morgens hat die Hose noch gepasst, aber nach dem Mittagessen "Stopfwurst" .... Stummes Leiden bis die die Haustür ins Schloss fällt und dann ab in die Jogginghose!

 

Oder „Bad Hair-day“? Egal, was man anhat, alles bereitet Unbehagen und wenn die Haustür ins Schloss fällt, ab in die Jogginghose!

 

Formell bekleidet sein und sich bequem fühlen, geht das überhaupt?

 

Ja, ich sage Ihnen wie!

 

Die Schränke zielstrebig mit dem Richtigen füllen: progressive Stoffe, raffinierte Schnitte und schlaue Kombinationen, die die bekannten Stressoren reduzieren.

 

Gut sitzende Unterwäsche, die sich nicht zusammenrollt oder ausleiert, sondern alles gut bedeckt und an deren Druckstellen sich dicke, bequeme Polster befinden. Beispiele:

 

Kleider, Röcke, Hosen, Blusen, Hemden mit elastischen Elementen geben nach, wo der Körper es erfordert, Beispiel: idealerweise gefertigt aus Seiden/Woll-Gemisch, das nicht knittert und unverwüstlich ist. Beispiel:

 

Fließende Stoffe, Falten am Rücken oder Bauch verleihen der Mitte mehr Stoff und überspielen Röllchen.

(S-Oliver, Sheego)

 

Farben wie Schwarz, Weiß, Dunkelblau, Cognac oder Grau passen zu jedem Outfit und vereinfachen die morgendliche Auswahl.

 

Dazu Schals, Tücher mit kräftigen Farben oder auffallenden Prints kombinieren. Diese beleuchten das Gesicht vorteilhaft, bieten Wärme, überspielen Schwachstellen und bringen Abwechslung. Beispiel:

 

Strümpfe aus weichen Materialien mit einem Bund, der keine Abdrücke hinterlässt und einer Kompression, die die Haut dabei unterstützt, alles zusammenzuhalten. Beispiel:

 

Leichte, luftdurchlässige Schuhe mit breitem Fussbett, Absätze mit ausreichender Breite. (Ara, Waldläufer

 

Mütter und Töchter

Kurz vor Ostern kam eine Kundin, die einen Geschenkgutschein für Ihre Mutter erwarb.

 

Zwei Wochen später absolvierten die beiden ein lustvolles Anprobieren in meiner Lingerie-Boutique. Und Hurrah - die Mutter wurde fündig. 

 

Ich erhielt folgende entzückende E-Mail von der Tochter:

 

Hallo,

Ich war vor 1,5 Wochen mit meiner Mama in Ihrem Laden, als sie sich Hals über Kopf in ein Sportoutfit verliebt hat! Wir haben den Sport-BH sowie die Sporthose mitgenommen und Sie wollten noch das Sporttop in Gr. 42 (grau/gelb) für uns bestellen. Da am Sonntag Muttertag ist, würde ich es gerne am Samstag bei Ihnen abholen um es Sonntag in den Schwarzwald zu bringen!

 

Haben Sie es bereits da?

Kristina K.

 

So eine süße Tochter wünscht sich jede Mutter. Ich habe "nur" einen Sohn, aber so eine Tochter hätte ich wirklich gerne gehabt.

 

Überhaupt erlebe ich manche Mütter mit ihren Töchtern: 

 

Eine Mutter kam mit ihren beiden Teenagertöchtern zur Anprobe. Beide suchten sich genau den gleichen BH wie ihre Mutter aus - ein Beispiel für positive Identifikation würde ich sagen, oder? 

 

Eine Tochter bekam Besuch von ihrer Mutter aus ihrer Heimat und führte sie in meine Boutique aus. Am Ende saßen wir mit einer Kundin zu viert zusammen, tranken Rosésekt und klönten über diverse Frauenprobleme. Beide wirkten sehr entspannt beim Gehen. 

 

Eine andere Mutter zwang ihre Tochter regelrecht in meinen Laden und redete beständig auf sie ein. Ihre Tochter lehnte alles ab, was die Mutter gut fand. Die Mutter meckerte die ganze Zeit an der Tochter herum. Die Tochter war sehr unangenehm und unhöflich zu uns und am Ende setzte sie sich mit ihrer Meinung durch, dass alles was wir ihr brachten, nur Schrott ist. 

 

Eine dritte Mutter kam insgesamt drei Mal und verbrachte zusammen mehrere Stunden mit ihrer Tochter in der Ankleidekabine. Alles was, der Tochter gut stand, mussten wir noch in einer anderen Farbe und Größe zur Auswahl bestellen. Die Mutter kaufte sich Modelle, die eher einem Teenager gestanden hätten. Zweimal kam sie und brachte gekaufte BHs ungetragen zurück und bestellte neu. Beim dritten Mal war die Tochter endlich zufrieden und meine Mitarbeiterinnen und ich waren sehr froh. 

 

Ich denke, dass der Grund, weshalb ich eine Dessousverkäuferin geworden bin, durch eine prägendes Erlebnis mit meiner Mutter in der Pubertät begründet ist: Als ich kleine Ansätze eines Busens bekam, hat mich das so aufgeregt, dass ich meine Mutter um ein Gespräch bat. Man kann sich nicht vorstellen, wie enttäuscht ich war, als sie das Interesse an dem Gespräch verlor, weil sie dachte ich hätte meine Periode bekommen. Sie verstand überhaupt nicht, wie wichtig mir das Bekommen eines Busens war. Als ich mir dann den ersten BH kaufen musste, hätte ich gern eine coole Mutter neben mir gehabt. Leider hatte meine Mutter dafür keine Muse: stattdessen bin ich im Kaufhaus vor Scham beinahe im Erdboden versunken, ich habe mich ständig umgeschaut voller Angst, mich könnte jemand Bekanntes sehen.   

 

Für mich ist das Thema BH-Kauf eine Art Initiationsritus, der einem Mädchen dabei hilft Frau zu werden und man sollte die Symbolik dahinter nicht unterschätzen.